Abendzeitung München 30. April 2001

Marktschreierei mit fünf Elektro-Gitarren

Kurzweiliges Hör- und Sehprogramm : Musica Viva

Die Reihe Musica viva verknüpfte Sprache und Klang

 

Viermal die selbe Frau auf einer riesigen Projektion: Sie wirft Küsse, sie schaut gnmmig oder skeptisch, sie lässt Worte los-rattern, sie singt. Davor das lebensgroße Original - die Vokal-Artistin Fatima Miranda, die hier in einem Hör- und Sehstück von atemberaubender Präzision Gefühlsnuancen durchspielt und per Tonband-Zusatz zum phänomenalen Experimentalmusik-Chor wird. Das war eines von vielen spannenden Stückchen am vielleicht ungewöhnlichsten Münchner Musik-Abend seit langem. "Lautspoesie/- Musik" hieß das Musica-viva-Studiokonzert im Carl-Orff-Saal mit einem mustergültig kurzweiligen, substanzprallen Programm (Zusammenstellung: Josef Anton Riedl). Seltener Umkehr-Effekt: Man sieht nach einer Stunde auf die Uhr, und es sind schon zweieinhalb vorbei, Sprache als Musik, Musik aus und über Sprache. Das reichte hier vom subtil-köstllchen Zwei-Schauspieler-Dialog "Das stille Zimmer" des Münchners Michael Hirsch bis hin zur grandios Theater-wirksamen Performance "arance dal marocco" von Zoro Babel und Michael Lentz - einer Studie über Marktschreierei und Demagogie, unter anderem begleitet von fünf E-Gitarren. Weitere Uraufführungs-Highlights: die feinnervigen Stücke der Australierin Amanda Stewart und des Holländers Jaap Blonk. Seines bot schon im Titel beste Lautpoesie-Musik: "kofferkuli gegen pfand".

Roland Spiegel

 

 

 

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