Münchner Merkur, Montag, 10.Juni 2002

Bebende Fusion Musica Viva

Ligeti-Zyklus und Uraufführungen
beim 7. Musica Viva Konzert

Das ist wahre Demut: Die vier Musiker des "Percussion Art Quartet" waren sich nach getaner Arbeit tatsächlich nicht zu schade, bei den Umräumarbeiten auf der Bühne des Carl-Orff-Saals im Münchner Gasteig mitzuhelfen- eine sympathische Geste und durchaus keine Selbstverständlichkeit, zumal die Kraftreserven nach György Ligetis rustikal-burleskem Zyklus "Mit Pfeifen, Trommeln, Schilfgeigen" (für Mezzosopran und vier Schlagzeuger) erschöpft gewesen sein dürften.
Neben den üblichen Schlaginstrumenten mussten da auch Mundharmonikas, eine Trillerpfeife und Sirene sowie verschiedene andere Kuriositäten zum Erklingen gebracht werden; die Perkussionisten bewältigten diese Aufgabe mit Witz und Energie und sorgten damit für das passende klangliche Umfeld für die Vokalsolistin Katalin Karolyi. Diese justierte ihre zarte Kehle dem Stück entsprechend auf herbere Klänge: So derb und rau, aber auch so charakteristisch und komisch hat man schon lange keine Mezzosopranistin mehr erleben dürfen, und wird man wohl auch nicht in nächster Zeit.
Als Hommage an Ligetis Klavieretüden erschienen James Dillons "Two Studies" für Akkordeon. Der Widmungsträger Teodoro Anzellotti betrat die Bühne, um sogleich regungslos in der Musik zu versinken und die Zuhörer mit einem leise zitternden perpetuum mobile zu betäuben.
Weniger suggestiv wirkten die Uraufführungen zweier Werke Christian Wolffs (für Altzither plus Bratsche und für Akkordeon). Der Komponist mags sich wahnsinnig viel bei den Stücken gedacht haben -wirklich packende Musik ist ihm nicht gelungen.
Iris ter Schiphorsts "My Sweet Latin Lover" beeindruckte schließlich als bebende Fusion von Originalität, Humor und Klangfantasie und macht Freude auf ein Wiedersehen und -hören.

Alexander Baltin

 

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