Süddeutsche Zeitung, Donnerstag, 21.Juni 2001

"Go Guitars" Adevantgarde Thumbnail

Gelungenes Experiment

 

Volles Haus im kleinen, feinen i-camp am Entenbach bei "Go Guitars". Fünf E-Gitarren versammeln sich zum Quintett. Das ist keine Besetzung, bei der ein mehr oder minder klassisch ausgebildeter Komponist von Haus aus bewandert wäre. Kein Wunder also, dass die von Christian Bergmann, Gunnar Geisse, Gregor Holzapfel, Harald Lillmeyer und Adrian Pereyra vorgestellten Werke im besten Sinne Experimente sind.
Fredrik Zellers "Mal Strom -mal kein Strom " von 1999 zu Beginn ist ein treffliches Stück Dekonstruktion an üblichen Läufen und Riffs aus der Rockmusik, die hier nicht nur zerschnippelt und in ein wunderlich verlangsamtes Kaleidoskop montiert, sondern auch -siehe Titel- nur sehr gelegentlich verstärkt werden. Das besitzt wundervoll anarchische Kraft und eine Ironie, die leider Bernhard Weidners "Miniatur" im Anschluss völlig abgeht. Hauptsache sind hier eine Tonmontage aus Stadtgeräuschen, Ambient-Samples und Textblöcke von Rilke und Stifter (von Heiko Raulin vorgetragen).
Das Gitarrenquintett kommt live nur als illustratives Zwischenspiel zum Zug. Auch hier sind die klanglichen und dynamischen Möglichkeiten der E-Gitarren tunlichst vermieden. Weidners "Miniatur" orientiert sich an Heiner Goebbels Hörstücken und deren Imitationen am Markt der neueren Hörspiele - durchaus professionell, aber wenig originell.
Nach der Pause bot man eines der späten Ensemblestücke von Cage, deren Titel jeweils die Besetzungsstärke angibt. "Five" hätte es wohl vertragen, dass die darauf folgende verquer-witzige Soloetüde "Meta" von Gunnar Geisse gleich parallel gespielt wird.
Am Schluss lieferte Lois Vierk mit "Go Guitars" von 1981 den munteren Rausschmeißer. Vierk sang damals punkig das Hohelied des Dilettanten und streckte sowohl Glenn Branca als auch dem Schwermetall-Rock-Kitsch seine neodadaistisch belegte Zunge heraus. Das zieht immer noch und macht viel Spaß.

ANTON SERGL

 

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