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ELECTRIC GUITAR MUSIC

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Michael Hirsch : anlaufen aufschwingen abstürzen

Der "Monolog" "anlaufen aufschwingen abstürzen" für 5 E-Gitarren wurde auf Anregung von Harald Lillmeyer
für das Ensemble "Go Guitars" komponiert. Der Untertitel "Monolog" mag bei einer Komposition für fünf
Instrumente zunächst irritieren. Er bezieht sich zum Einen auf den Versuch, in diesem Stück die fünf
E-Gitarren gewissermaßen wie eine einzige, monströse 30-saitige Gitarre zu behandeln. Zum anderen soll
"Monolog" auch eine ,sprechende' oder ,erzählende' Grundhaltung suggerieren ( wie auch in meinen
Solostücken "Monolog für Piccolo-Flöte" und "Monolog für Klavier" ).
Ein grundsätzliches Problem bei der Komposition für dieses Instrumentarium besteht darin, daß sich die
klangfarblichen Möglichkeiten eines Quintetts von E-Gitarren am Schreibtisch nur unzureichend abschätzen
lassen, so daß eine subtil ausgehörte Klangfarbenkomposition zunächst nicht möglich und nur im besten
Fall in der Zusammenarbeit mit den Spielern nachzuholen ist.
So entschied ich mich dafür, die klangfarbliche Ebene des Stückes ( etwa im Sinne von Anweisungen
für bestimmte Effektgeräte oder Spielweisen der E-Gitarren ) überhaupt nicht festzulegen, sondern sie durch
eine im Notentext verborgene sprachliche Ebene zu ersetzen, die vom Hörer allerdings nicht als solche
direkt wahrzunehmen ist, sondern vielmehr als Interpretationsstimulanz für die Musiker dient:
Ein Netz von Adjektiven ist über die ansonsten traditionell notierten Stimmen der Partitur gelegt, die als
Ausdrucksanweisungen in durchaus traditionellem Sinne die Expressivität des Spiels erhöhen sollen.
( Das ergibt vielleicht eine ähnliche Spielhaltung wie im 18.Jahrhundert, wo man von der Musik als
"Klangrede" gesprochen hat. )
Zu einer eigenen artifiziellen, gewissermaßen sprachkompositorischen Schicht werden diese Adjektive
durch ihre Massierung und geradezu manisch alphabetisierte Anordnung. Sie bilden eine eigene quasi
subkutane Erzählschicht, deren dramatischer Großverlauf im Titel "anlaufen aufschwingen abstürzen"
skizziert ist. Angeregt ist dieser Erzählverlauf durch die altbekannte Geschichte von Ikarus. Diese
Erzählschicht wird sich dem Hörer zwar nicht als solche explizit mitteilen, wird aber durch die Erzeugung
unterschwelliger Ausdrucksvaleurs im Spiel der Musiker als Spannungsverlauf präsent sein.
Michael Hirsch
Partiturausschnitt

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- RealMedia rm-file; 2,15MB;
  09:12 Min.
- Real Player erforderlich

 

Foto M.Hirsch

Michael Hirsch / Edition Juliane Klein

Michael Hirsch

Geboren 1958 in München. Lebt seit 1981 in Berlin.
Seit 1976 kontinuierliche kompositorische Arbeit, gelegentlich von Theaterarbeit unterbrochen.
Als Mitglied verschiedener Ensembles für Neue Musik zahlreiche Konzerte und
Rundfunkaufnahmen. Zusammenarbeit mit Dieter Schnebel, Josef Anton Riedl,
Helmut Lachenmann u.a.

Tätigkeit als Schauspieler. Mitglied des "Freyer-Ensembles".
Regie-Assistent von Achim Freyer am Burgtheater in Wien.
Regietätigkeit.

Die kompositorische Arbeit umfaßt neben Instrumentalmusik, Musiktheater und Oper
verschiedene grenzüberschreitende Mischformen mit Elementen von Sprachkomposition und
Hörspiel. Die Kompositionen wurden unter anderem bei verschiedenen internationalen Festivals
aufgeführt: Donaueschinger Musiktage, Wittener Tage für neue Kammermusik, Klang-Aktionen/
Neue Musik München, musica viva, Musica del segle XX/Barcelona, Dresdner Tage für
zeitgenössische Musik, Ultraschall/Berlin, Musik-Biennale Berlin, Florida Electroacoustic
Music Festival u.a.
Abendfüllende Oper "Das stille Zimmer" für die Oper Bielefeld (Mai 2000).

Kompositionsstipendium der Stadt München.
Elisabeth-Schneider-Preis für Komposition 2001.

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