GO  GUITARS

ELECTRIC GUITAR MUSIC

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Bernhard Weidner : Miniatur

Kunst bietet die Möglichkeit eines Blickes auf die Welt, der umfassender ist als die Weltwahrnehmung,
die wir im Alltag und in den uns bestimmenden Kommunikationswelten zum Tragen kommen lassen.
In diesen spielt die Aussonderung von unzweckmäßiger Information eine wichtige Rolle.
(Es ist, um sich eine willkürliche Situation vorzustellen, z.B. wenig sinnvoll, sich bei schwierigen
Vertragsverhandlungen von einer eigenartigen Empfindung beeinflussen oder gar leiten zu lassen, die der
Anblick einer interessant geformten Blumenvase auslöst.) Es geht beim Vorgang des Aussonderns von
Informationen um unsere Fähigkeit, uns zu organisieren bzw. unzweideutig mitzuteilen.

Ich behaupte nun, das Ausgesonderte ist nicht beliebig und permanent straffrei vernachlässigbar – –
und Kunst stützt sich Gott sei Dank immer wieder auf Kontexte von Dingen, die wir einer klaren
Handhabung wegen zu isolieren versuchen. Wird dabei nun vermeintlich Disparates zusammengefügt oder
etwas, das sich auf verschiedenen Ebenen befindet, deren Verbindung nicht unmittelbar klar wird, so kann
in einem Kunstwerk dennoch eine eigene Form von Stimmigkeit entstehen – vielleicht lässt sich sagen:
parallel zu der Stimmigkeit (d.h. Praktikabilität) eines funktionierenden Alltagsablaufes. Gelingt
dies, so ist die Stimmigkeit innerhalb eines Kunstwerkes wohl darin begründet, dass unsere
Weltwahrnehmung eigentlich sehr,sehr reichhaltig ist und dass wir das Wahrgenommene einfach nur sehr
selten in einer großen Bandbreite registrieren können.

Beim Komponieren von "Miniatur" waren mir diese Vorstellungen sehr präsent und der Titel
spielt auf etwas an, was einer ausfilternden Wahrnehmung wohl in erster Linie entgeht: das Detail.

Ich habe "Miniatur" für das Ensemble "GO GUITARS" geschrieben.

Bernhard Weidner

Partiturausschnitt

Ausschnitt anhören : Weidner : Miniatur

Textauswahl Stifter:

Fragmente aus der Erzählung "Granit", aus der "Mappe meines Urgroßvaters", aus
"Winterbriefe aus Kirchschlag" und aus den "Betrachtungen"
(die sich mit Bildern von Spitzweg beschäftigen)

Textauswahl Rilke:

Fragmente aus "Malte Laurids Brigge"

 

Bernhard Weidner

                      ... wurde 1965 in München geboren. Er studierte von 1987-94
Komposition an der Hochschule für Musik Würzburg bei Bertold Hummel und
Heinz Winbeck. Wichtige Auszeichnungen für ihn waren der 2. Preis beim
Kompositionswettbeweb "16.3.1945" anlässlich des 50. Jahrestages der
Zerstörung der Stadt Würzburg, das Paris-Stipendium des Freistaates Bayern,
das ihm 1994/95 einen Studienaufenthalt an der Cité Internationale des Arts
ermöglichte, sowie 1998 ein Musikstipendium der Landeshauptstadt München.
Bernhard Weidner lebt in München und ist seit 1996 an der künstlerischen und
organisatorischen Leitung des Festivals "ADevantgarde" beteiligt. Sein
Oeuvre umfasst Solo-Kompositionen, Kammer- und Orchestermusik, Lieder,
elektronische Werke und Hörspiele.

 

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