Augsburger Allgemeine, 08.02.2010
   

Alles Gitarre und Augenblick

Von Eric ZWang-Eriksson

Ein Hämmern und Hauchen, ein Knistern und Krächzen - kakofonisches Inferno prallte brachial auf sphärische Klänge. In seiner Fremdartigkeit fast unbeschreiblich klang das Konzert von „Go Guitars“ im Hoffmann-Keller, erzeugt von drei Gitarren und einem massiven Aufgebot an elektronischen Gerätschaften. „Go Guitars“, ursprünglich ein Quintett, mittlerweile zu einem Trio geschrumpft, zauberte eine opulente Klangfülle. Gunnar Geisse, Harald Lillmeyer und Adrian Pereyra gingen dabei zuweilen symphonisch vor, rissen dann aber riesige Löcher in den zart gewebten Vorhang namens Hörgewohnheit. Die gemeinsame Sprache des Trios ist der Unterschied. Jeder Musiker bringt andere Konzepte ein. So glich kein Aufbau dem anderen. Wo Pereyra Rückkopplungen modulierte, antwortete Lillmeyer mit der Umgestaltung gezupfter Töne, ließ Geisse seine Laptop-Gitarre zu Wort kommen. Die Musik entwickelten sie rein improvisatorisch: Spontane Kompositionen, flüchtig, aus dem Moment und Gefühl geboren. So kann Musik nur funktionieren, wenn blindes Vertrauen zwischen den Beteiligten herrscht. Bei „Go Guitars“ war dieses Vertrauen zu spüren. Es verdichtete die mitunter 40 Minuten dauernden Stücke zu Werken von abstrakter Schönheit. Das Pendeln zwischen den Extremen, zwischen Dialog und Konfrontation gelang in einnehmender Ausgewogenheit.