Wer den Frust nicht länger erdulden will, sinnt auf andere Wege. Die Folgen sind bekannt: Ob in ein Dogma gepfercht oder nicht, die preiswerte DV-Technik ermöglicht die Herstellung von Filmen mit Budgets, die vor einigen Jahren nur ein müdes Lächeln bei den Profis hervorgerufen hätten.

So einen Film wollen wir jetzt auch machen. Mit einem Stoff, der nach einer eigenen und originellen Filmsprache verlangt. Nähe zur Realität wollen wir erreichen, und das rechtfertigt zugleich den Einsatz kleiner Kameras. Wir haben bisher vor allem Dokumentarfilme gedreht. Und diese Erfahrungen sollen nun einfließen in ein Fiction-Projekt.

Wir möchten die Zufälle und Überraschungen, die für Dokumentarfilme kennzeichnend sind, übertragen auf unser Spielfilm-Projekt Hey!. Es soll dadurch eine höhere Authentizität entstehen. Die Grenzen zwischen Sein und Schein, zwischen Spiel und Realität zerfließen. So entstehen verschiedene Handlungsebenen. Die im Drehbuch vorgegebene Geschichte kann immer wieder umschlagen in dokumentarische Szenen. Und noch eine dritte Ebene ist präsent: Ein Roman, an dem die Autorin während der Filmerzählung schreibt. Diese Szenen sollen durch Verfremdung in der Bildsprache von dem übrigen Handlungsfluss abgesetzt werden.

Ich habe mich gefragt, ob die laufende Veröffentlichung unserer Überlegungen und Aktionen wohl ein Risiko ist. Hey! ist ein Experiment, und ein solches Abenteuer kann natürlich auch schief gehen. Aber am Ende hielten wir an der Idee eines „Drehtagebuchs“ fest. So kann die Gemeinde der DV-Filmer für die eigene Arbeit nachvollziehen, was uns durch den Kopf ging. Und wir selbst erhoffen uns eine breitere Unterstützung unserer Arbeit und eine gewisse Publizität für den Film (denn für ein Werbebudget langt’s natürlich nicht).

Cornelia Bernoulli hat die Aufgabe übernommen, das Drehbuch zu entwickeln. Rasch waren wir uns in unseren Diskussionen einig, dass dieses Buch keine ausformulierten Dialoge enthält, sondern nur den Handlungsrahmen vorgeben kann. Die Schauspieler sollen den Text spontan während des Drehs entwickeln. Das ist eine Vorgabe, die einfach aussieht, aber in Wahrheit eine große Herausforderung ist. Denn die Schauspieler schlüpfen nicht, wie sie es gewöhnt sind, in eine Rolle mit vorgegebenen Dialogen. Sie spielen zwar Rollen, müssen diese aber viel näher an sich selbst ansiedeln und geben persönlich mehr preis als im herkömmlichen Spiel.

Nun liegt die erste Rohfassung vor. Cornelia hat unsere ersten Überlegungen glänzend umgesetzt. Die Story ist am ehesten ins Genre eines Kammerspiels mit Überraschungseffekten einzuordnen. Dies ist die Ausgangssituation von Hey!.

Das Buch hat in diesem Zustand den Umfang von 45 Seiten. Nun geht es darum, das Projekt zu kalkulieren. In der nächsten Lieferung will ich davon berichten. Auch von der Besetzung, die bedingt durch die Art des Projekts anders zustande kam als üblicherweise. Fenster schließen