Für solche Special Effects haben wir weder Zeit noch Geld. Also an die Arbeit! Zunächst wurde auf unseren Karteikarten vermerkt, auf welchen Kassetten sich die Passagen mit den zugehörigen Clips befinden. Diese Karten waren schon bei der Vorbereitung und während des Drehs eine große Hilfe. Auf ihnen sind die Szeneninhalte, Regieanweisungen, Notizen während des Drehs und alle wichtigen Infos für den Schnitt vermerkt. Wir hatten nicht immer die Möglichkeit, unsere Regieassistentin für übliche Drehberichte einzusetzen, und so wurde jetzt einiges nachgeholt.

Anschließend wurden alle Kassetten geloggt, der Spreu vom Weizen getrennt. Die Bezeichnungen der einzelnen Clips begannen immer mit der Szenen-Nummer. So ist es auf dem Computer einfach, die Clips rasch in die richtige Reihenfolge der Szenen zu bringen. Die Kassetten wurden außerdem gleich archiviert. Dabei werden alle wichtigen Clipdaten und sonstige Infos übertragen. Wir benutzen dafür die Software Videomatica, die aus dem Internet gratis geladen werden kann . Die Software ist eine Filemaker-Applikation, die unter Windows und Macintosh läuft. Man kann mit ihr auch gleich passende Etiketten für DV-Hüllen ausdrucken. Eine Manual allerdings gibt es nicht, man muss selber ein wenig herumprobieren.

Zurück zum Schnitt. Das Loggen des Materials dauerte etwa sieben Tage. Am Ende hatten wir rund 800 Clips herausgefiltert, aus denen Hey! nun entstehen soll. Seit zwei Tagen läuft die kreative Phase des Schnitts, das heißt montieren der Clips in der Timeline. Die ersten Rohschnitt-Minuten sind seitdem fertig, und man bekommt den ersten Eindruck von der Wirkung des Films. Das ist ein schöner Moment, der einen alle Widrigkeiten und Anstrengungen der bisherigen Arbeit vergessen lässt.

E
s stellen sich in dieser Phase natürlich auch alle Mängel heraus. Hier eine Unsauberkeit im Schwenk, dort ein Tonknacker. Dinge, die immer passieren und für die die Verantwortlichen in der Regel strenger zur Rechenschaft gezogen werden als dies meistens angebracht ist. Nach Fertigstellung eines Films kommt dann meist die erstaunte Frage des Gerügten, wo denn ein Problem sei, die Aufnahmen seien doch aller erste Sahne. Das ist eben die Kunst des Schnitts, kleinere Fehler auszubügeln, Übergänge zu schaffen, die während des Drehs nicht auf der Hand lagen, für Überraschungen zu sorgen. Es ist ein Prozess, der Freude macht. Und die Rügen bleiben in unserem Falle aus – wir müssten uns selbst tadeln.

Aber insgesamt sind wir hochzufrieden, wie gut die Arbeit ausgefallen ist. Alle Beteiligten haben sich die größte Mühe gegeben, und das sieht man dem Ergebnis auch an. Ein besonderes Lob haben unsere Schauspieler/innen verdient. Ihnen ist es gelungen, aus den Drehbuch-Vorgaben Dialoge zu improvisieren, die lebendiger sind als die meisten „normalen“ Film-Dialoge. Die Figuren erhalten eine Plastizität, wie wir das kaum vorher zu träumen gewagt hatten. In dem Film gibt es zahlreiche Exkursionen in die reale Welt des Dokumentarischen. Oft entpuppt sich die vermeintliche Realität als Schein, als Fake, als Fälschung. Und gelegentlich kommt ein Spielfilm der Realität viel näher. Diese schwammige Grenze möchten wir auch dem Zuschauer von Hey! verdeutlichen. Der 65jährige britische Regisseur Ken Loach, der in Locarno dieses Jahr einen Ehrenpreis erhielt, ist im Laufe seiner Karriere von der einen auf die andere Seite gewandert, von der Dokumentation zum Spielfilm. Als Gast in Hey! erklärt er, warum das so war. Wir sind sehr gespannt, wie der Film wohl von der Öffentlichkeit aufgenommen wird, wenn er erst einmal fertiggestellt ist.

G
leich in den ersten Minuten von Hey! befindet sich eine Passage, in der die Clips nach Musik geschnitten werden sollen. Bruno Hetzendorfer hat uns die wunderbare, manchmal verträumt, häufiger etwas melancholisch wirkende Musik gemacht. Aber auch fetzige Stücke fehlen nicht, und die wurden dann gleich anfangs in die Timeline gesetzt. Im späteren Verlauf des Films gibt es eine Passage, in der auf seine Musik getanzt wird. Natürlich hatten wir kein aufwändiges Playback-Equipment dabei, sondern nur einen Laptop mit CD-Player. Ich bin gespannt, wie die Musik optisch und akustisch wirken wird. Doch so weit sind wir noch lange nicht.

Wir benutzen für den Schnitt Avid XP DV. Das Programm macht den Import von CDs ganz einfach. Die Wandlung der Samplefrequenz auf 48 kHz kann gleich mitvollzogen werden. Allerdings hatten wir gehofft, mit der neuen Version XP DV Pro arbeiten zu können, die Avid eigentlich für Ende August angekündigt hatte. Aber solche Verzögerungen sind ja üblich.

Erstmals nach vielen Jahren tauchte beim Digitalisieren der geloggten Clips das Problem auf, dass bestimmte Clips wegen Timecode-Fehlern nicht gelesen werden konnten. Wir sind der Sache noch nicht auf den Grund gegangen. Es kann an der Kamera, an den Bändern, am Studio-Player oder an der Schnittsoftware liegen. Wir wollen ganz pragmatisch vorgehen und die betroffenen Stellen noch einmal auf ein anderes Band überspielen. Bild und Ton sind jedenfalls okay. Fenster schließen