Katharina hat bereits die erste SMS aus dem Zug in Richtung Hamburg geschickt. Buchstäblich bei den letzten Schritten ist sie gestürzt und musste notärztlich versorgt werden. Und auch Christine schickte eine SMS aus dem 20 Kilometer entfernten Locarno, wir möchten ihr ein Paar Schuhe aus ihrem Gepäck mitbringen. Offenbar noch ein kleines Malheur... Nach dem Stress der letzten Wochen kein Wunder.

Alles Equipment, das wir mitgenommen haben, ist auch eingesetzt worden. Selbst der Mini-Sonnenschutz für den LCD-Bildschirm von kleinen Kameras, den uns Bebob zum Ausprobieren mitgegeben hat, fand Verwendung. Denn wir hatten immer grelles Sonnenlicht bei Temperaturen zwischen 35 und 38 Grad. Es war eine sehr anstrengende Arbeit.

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enn ich die beiden Kameras nach diesem Job vergleiche, die wir dabei hatten (Sony PD150 und Panasonic DVX100), so ist nach meiner Meinung die Panasonic deutlich überlegen. Nicht wegen der Bildqualität, sondern wegen der besseren Handhabbarkeit. Ein großer Sucher, in dem Schärfenwerte ablesbar sind, eine Optik, deren Weitwinkelbereich den praktischen Erfordernissen entspricht, Kippschalter für Gain und White Balance, fluoreszierende Regler für den Ton, die Reihe der Pluspunkte ließe sich beliebig verlängern. Man gewöhnt sich rasch an das Gerät.

Am vorletzten Tag kam ein kleines Gewitter auf. Es passte wie bestellt zu den vier Szenen, die in dieser Zeit zu drehen waren. Am Abend kam eine kleine Enttäuschung: Auf dem Film wirkt das Wetter nie so krass wie in der Realität. Das gilt auch für die ungewöhnliche Hitze. Wir hätten wohl die Feuerwehr um künstlichen Regen bitten müssen, um einen ungefähren Eindruck zu vermitteln.

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ir wollten ja auch das reale Geschehen in dem Spielfilm stattfinden lassen. Ich glaube, das ist gelungen. Der Züricher Dokumentarfilmer Andreas Hössli ist ebenso dabei wie Sönke Wortmann (dessen neuester Film Das Wunder von Bern in Locarno auf dem Festival Premiere hatte) und Ken Loach, der den diesjährigen Ehrenpreis erhielt. Auch die Münchner Casting-Agentin Sabine Schroth erhielt eine Szene. Alle unsere Hoffnungen haben sich erfüllt, nennenswerte Pannen gab es keine, und unser schmales Budget wurde ebenfalls eingehalten. Die lange und intensive Vorbereitung dieser Produktion hat sich gelohnt.

In den nächsten Wochen und Monaten folgt die Phase drei: der Schnitt. Angesichts der Unmengen von Material eine Riesenaufgabe. Ich glaube, der Film entsteht erst in diesem Prozess. Keiner vom Team kann sich vorstellen, wie das Endergebnis aussehen wird. Wir werden sehen. Jetzt heisst es erst einmal: zwei Tage Pause. Fenster schließen