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„METAMORPHOSE 2008
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Dinge verstehen heißt: „sich ein Bild von den Dingen zu machen“. Verstehen ist demnach ein wandelbarer Begriff, der sich stets neu definieren muss. Verständnis gemessen an unserem heutigen Naturbegriff bedeutet: Einbeziehung des Lebensraumes in den Denkraum in globaler Hinsicht. Dies ist eine kulturelle Leistung, die bisher so nicht existent war. „Metamorphose 2008“ ist der genetische Abdruck dieser Leistung, kulminiert in der Fassung des Werkes selbst – der Wandelbarkeit des menschlichen Denkens in seiner Umwelt. Wir bewegen uns in einer bewegten Welt (Metabole). „Metamorphose 2008“ ist Resümee und Durchgangsstadium einer zukunftsorientierten geistigen Haltung, welche sich an den Prämissen dieser Wandelbarkeit manifestiert.

Die Objektstele in ihrer bildnerischen Aussage nimmt Bezug auf den Prozess der Umwandlung, der Assoziation von Faktorennetzen, die an unerwarteter Stelle neue Konzeptionen erbringen. Wahrnehmung heißt in dieser Hinsicht nicht, Rückgriffe auf bekannte Bilder aus Erfahrung oder Erinnerung vorzunehmen, sondern neu in Bild zu fassen, um Verstehen neu zu begreifen
Bewegung und Ruhe

Heraklits Spruch „panta rhei“ (alles fließt) beschreibt die ewige Bewegung des Daseins. Dies wurde zur Schicksalsfrage der menschlichen Vernunft erhoben. Da dieser Bewegungsbegriff
Widersprüche und Aporien mit sich brachte, hat der Philosoph Zenon dieses Prinzip ersetzt durch die Gegenbehauptung „alles ruht“.
Ursache der Bewegung sind Kraft, Gegensatz und Spannung. Ausdruck der Bewegung ist die Einheit der Gegensätze, die Dialektik des Absoluten und des Relativen, des Subjektiven und des Objektiven, des Konstanten und des Inkonstanten. Diese allgemeingültige Aussage drückt das Geschehen in Natur und Geschichte aus. Die Entwicklung des Begriffs „Bewegung“ erfuhr eine Akzentverschiebung vom Wesen der Bewegung zum Mechanismus derselben. Die Erklärung verließ das metaphysische Prinzip der vier Elemente (Wasser, Erde, Feuer und Luft) und bewegte sich über die aristotelische Akt-Potenz-Lehre bis hin zur nachrelativistischen Physik und Thermodynamik.

Hierin spiegelt sich die Bewusstseinerhellung des Menschen über sich und die Natur wider. Die Erkenntnis der Bewegungsidee deckt sich mit der Erkenntnis der erlebten Wirklichkeit, nämlich das Wissen darüber, was ruhend, was bewegt ist, beweglich sein muss oder sein soll. Unter dem Aspekt der Wahrnehmungspathologie erfährt die Kategorie Bewegung als eine Struktur der vierdimensionalen Raum-Zeit-Welt, die Weltlinie eine Erweiterung in eine
acht - bis neun-dimensionale offene Welt der Komplexität. Wir haben eine vierdimensionale Räumlichkeit (euklidisch, hyperbolisch, sphärisch und fraktal) und fünf zeitliche (euklidisch, hyperbolisch, sphärisch, fraktal und metabolisch) Dimensionen. Die Einheit wird zur Vielheit, die geschlossene Welt öffnet sich dem unendlichen Universum.

Zeit verstehen, heißt,Die Zeichen der Zeit zu erkennen.In der Erfahrung von Raum und Zeit
findet die Bewegung des Bewusstseins statt.

„METAMORPHOSE 2008“

hat die Aufgabe ihre „Welt – Zeit“ gedanklich und bildnerisch zu formulieren.

„Wenn das Wahre das Ganze ist, so wird das Erlebte Ganze zum Unwahren“.
Theodor W. Adorno